Diving World, Grand Baie, Mauritius

Für den Frühjahrstauchurlaub stand diesmal ein für mich ganz neues Ziel an: Mauritius.
Für mich mal etwas Neues
Der Inselstaat gehört zum afrikanischen Kontinent und liegt einige hundert Kilometer östlich von Madagaskar im Indischen Ozean auf der Südhalbkugel. Das bedeutet, die Monate von Oktober bis März sind die Sommermonate, die auch einige Tage mit erheblichen Regenfällen bringen können – bis auf wenige Schauer war davon nichts zu spüren. In dieser Zeit haben Tauchcenter an der Ostküste häufig geschlossen, da der Indische Ozean hier im Sommer unberechenbar sein kann. An der West- und Nordküste hingegen ist der Tauchsport ganzjährig möglich, mit Wassertemperaturen um 28-30 Grad im örtlichen Sommer.
Ich wählte ein Hotel ganz im Nordwesten aus. Das kleine Örtchen Grand Baie (Cannonier) schien auch nur aus drei Hotels zu bestehen. Meines hatte die unabhängig vom Hotel operierende Tauchbasis auf dem Gelände integriert. Im Beachcomber Cannonier befindet sich einer von drei Standorten der lokalen Kette Diving World.
Kontaktaufnahme
Das Tauchcenter bewirbt auf seiner Website verschiedene Pakete, jeweils inkl. Leihausrüstung. Da drängen sich Fragen auf, also versuchte ich, diese über das Kontaktformular vorab zu klären. Das Formular war defekt und konnte nicht abgesendet werden. Eine Mailadresse war in den Tiefen der Website gut versteckt. Eine Antwort auf eine Mail an diese Adresse gab es zunächst auch nicht. Nach 3-4 Tagen trudelte dann eine Reaktion ein, die keine der Fragen klärte, mich aber freundlich begrüsste und darauf hinwies, dass das Center über meine Ankunft informiert sei und ich nur vorbeischauen brauche.
Der Flug nach Mauritius war ein Nachtflug mit entsprechend sehr früher Ankunft. Das Zimmer stand gleich nach einem leckeren Frühstück bereit, so dass erst mal ein paar Stunden Schlaf nachgeholt werden konnten. Bis 16 Uhr sollte das Tauchcenter dann auch geöffnet haben. Um 15 Uhr war ich dort, vorangekündigt (s.o.) und bereit zum Check-In. Zu spät. Es war bereits alles geschlossen, nur ein Mitarbeiter räumte noch etwas auf. Ihm konnte ich die Info entlocken, am nächsten Tag einfach um 08:30 da zu sein.
Typischer Tauchtag
Alle Tauchgänge finden vom Boot aus statt, ein betauchbares Hausriff gibt es nicht. Im März 2026 wurde zwei Tauchausfahrten angeboten. Die erste startete um 09:00 (eher selten pünktlich, meist später) mit Treffen um 08:30. Wer pünktlich da ist, kann auch schon mal auf ein verschlossenes Center treffen und muss noch auf die Mitarbeiter warten.
Die zweite Ausfahrt findet um 11:00 statt oder wenn das Boot von der ersten Tour wieder zurück ist und die Flaschen wieder gefüllt wurden.
Nachmittags gab es kein Angebot, sonntags ist das Center komplett geschlossen.
Check-In
Der Check-In besteht im wesentlichen aus dem Ausfüllen des Anmeldebogens und des medizinischen Fragebogens. Dann wirft ein Guide mal einen Blick aufs Brevet und fertig ist der Kram.
Abläufe und Organisation auf der Basis gibt es spärlich auf Nachfrage.
Einen Checkdive gibt es hier nicht, auch nichts in dieser Art, was in den ersten Tauchgang integriert wäre.
Tauchbetrieb
Auf der Basis wird die Ausrüstung zusammengebaut. Es folgt ein Standardbriefing mit Wiederholung der Handzeichen und etwas Gekritzel zur Riffstruktur.
Die Ausrüstung wird zum Schnellboot gebracht, das wenige Meter entfernt an einem Schwimmsteg anlegt. Einsteigen, kurz noch mal schauen, ob man alles dabei hat, Abfahrt.
Die Fahrten sind nicht länger als 10-15 Minuten. Am Tauchspot angekommen, geht es mit einer Rolle rückwärts von der recht hohen Bordwand ins Meer. Es wird gemeinsam abgetaucht und dem Guide dann hinterhergetaucht. Buddyteams werden vorher nicht festgelegt, aber die Gruppe bleibt eh die ganze Zeit zusammen. Die Tauchgänge sind auf rund 45 Minuten limitiert, spätestens dann beginnt der obligatorische Sicherheitsstopp auf 5 Meter. Mehr Luft- oder Nullzeitreserve verlängert den Tauchgang nicht, da es eben kein eigenständiges Tauchen in Teams gibt. Der Guide setzt seine Boje und Momente später ist auch schon das Boot da. Der Bootsführer war dabei ausgesprochen aufmerksam, lange Wartezeiten im Wasser an der Oberfläche gab es nicht.
Für den Einstieg gibt es eine Bootsleiter, bei der man aber sehr aufmerksam seim musste, um sich keine Finger zu quetschen.
Die Bedingungen im März: Wasser mit 30 Grad sehr warm, Sicht um 10-15 Meter, bei einem Tag mit Wind oder Regen und vor allem bei höherem Wellengang (viel Sangrund) aber auch weniger. Nahezu keine Strömungen, entspanntes One-Way-Tauchen.
Ausrüstung
Zum Tauchen stehen überwiegend 12l Stahlflaschen zur Verfügung, allerdings in sehr limitierter Anzahl. So musste häufig zwischen den beiden Tauchgängen erst mal wieder eilig aufgefüllt werden, wenn mehr als 4-6 Taucher auf der Basis waren. Und dann waren da Flaschen mit einem Aufkleber der letzten Sichtkontrolle vor zwei Jahren…
Getaucht wurde ausschliesslich mit Luft, ein Nitrox-Angebot gab es an diesem Standort der Kette nicht. Es handelt sich um DIN-Flaschen (mit ggf. einschraubbaren INT-Adapter).
Tauchcomputer und Boje gehörten nicht zur Pflichtausstattung.
Blei gibt es an Bord (dort wird es nach dem Tauchen auch wieder gelassen) als Gurt oder Einzelstücke.
Die Tauchpakete sind so konzipiert, dass die komplette Ausrüstung inkludiert ist, also nicht nur Flasche und Blei, sondern auch fast der ganze Rest: Maske, Geräteflossen ohne Schuhe, Jacket, 2-3mm Neo-Shorty, Reglerset. Am Leihregler war ein einfacher Finimeter angebracht, aber kein Tiefenmesser. Da auch kein Computerzwang bestand bzw. diese gar nicht erst leihbar waren, waren Nutzer der Leihausrüstung faktisch gar nicht in der Lage, eigenverantwortlich zu tauchen, sondern immer auf den Guide angewiesen. Der wird die Tiefe, Restnullzeit und Sicherheitsstopps jedes persönlichen Profiles wohl schon kennen. Ausserdem hatte auch nur der Guide eine Boje. Insgesamt gesehen sind das tatsächliche Sicherheitsdefizite und ein sehr gutes Argument für gut gewartete eigene Ausrüstung, die man auch beherrscht. Ich jedenfalls war froh, alles dabei gehabt zu haben.
Basisausstattung
Die Basis nutzt Miniräumlichkeiten. Platz für eigene Ausrüstung ist faktisch nicht vorhanden, zumindest dann nicht mehr, wenn mehr drei Gäste-Taucher diese Idee haben. Ansonsten bieten sich für Anzug und Jacket die Stangen mit der Basisausrüstung hinterm Office an. Trockenraum? Gästeboxen? Fehlanzeige. Also wurde das Zeug täglich aufs Zimmer geschleppt. Da war dann Platz im Bad und auf dem Balkon.
Übrigens ist dies die erste Tauchbasis, die ich kennengelernt habe, die auf ein Spülbecken komplett verzichtet. Man konnte die Ausrüstung kurz unter die Dusche halten, das wars. Und wieder ein Punkt fürs eigene Equipment, das jetzt nach der Reise aber eine umfangreichere Reinigung braucht.
Abrechnung und Fazit
Eine kleine Gemeinheit haben wir noch: Abgerechnet wird zum Schluss, man muss keine Pakete per Vorkasse kaufen. Wenn man aber eine Tauchgangsanzahl absolviert hat, die grösser als ein vergünstigtes Paket ist, gibt es den günstigen Paketpreis nicht über das Paket hinaus, da zählt dann der teure Einzelpreis.
Und wer eigene Ausrüstung mitbringt, darf bei einem „Inklusivpreis“ nicht erwarten, dass dies umgekehrt zu einer Ermässigung führt.
Das Tauchen war sehr interessant, die Plätze u.a. mit zwei Wracks abwechselungsreich. Allerdings haben auch hier die Korallen unter der hohen Wassertemperatur sichtbar gelitten. Die Standards der Basis jedoch legen es nahe, bei einem Wiederholungsbesuch einen anderen Anbieter auszuprobieren.
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